Winterferien im Märchenland |
Winterferien im Märchenland |
© glitzergeschichten
Wir haben ganz schön gestaunt, als wir mehr zufällig mitten im Postkarten-Schweden gelandet sind: Rote Holzhäuser, soweit das Auge reicht, Knirschender Schnee unter den Füssen und tausend kleine, warme Lichter auf den Fenstersimsen der Nachbarschaft.
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Eigentlich wollte ich nur meine Beste Freundin während ihres mehrwöchigen Schwedenaufenthaltes besuchen. Sie hatte eine Masterarbeit zu schreiben. Aber eine Woche Pause durfte sein. Unserem ursprünglichen Mädelstrip haben sich schrittweise drei Freunde angeschlossen.
Unsere Gruppe hat sich wie folgt zusammen gesetzt: Jemand war wie gesagt sowieso schon im Lande, drei von uns sind von Zürich nach Stockholm geflogen und jemand ist in einer Rekordzeit die selbe Strecke mit dem Auto gefahren. Mehr oder weniger damit mein Hund Yari uns auf diesem Trip begleiten konnte. Spoiler: Ich war nicht dieser jemand. Aber die Idee kam auch nicht von mir, ich hatte bereits eine Hundehüeti für meine Ferien organisiert.
Und so sind wir mitten im Januar zu fünft (mit Hund im Gepäck) in ungefähr vier Stunden von Järna, was südlich von Stockholm liegt, nach Tällberg, was in der schwedischsten Region Schwedens in Dalarna liegt, gedüst. Natürlich mit einem Volvo, weil wenn schon, denn schon. Zugegeben: Es grenzt an ein Wunder, dass wir uns inklusive Gepäck in diesen Wagen manövriert bekommen haben. Der XC90 hat uns nicht enttäuscht, einige von uns haben sich auch ein bisschen in unseren mausgrauen, wohl ziemlich ab Werk kommenden Mietwagen verliebt. Er hat uns stets sicher durch den schwedischen Winter geleitet.
Eine Woche Mittelschweden im Januar – das ist definitiv eine Reise wert. Hier sind meine 10 Gründe, warum du deine nächste Winterreise in den Norden sofort buchen solltest.
Die Dunkelheit
Ungelogen: Diese gedimmte Dunkelheit hat ganz schön was. Besonders natürlich wenn die Bäume, Häuser und Strassen von Neuschnee bedeckt sind. Wenns hell ist, dann ist der Himmel oft von rosa getunkten Wolken behangen. Eine besondere Stimmung.
Die Lichter
Was mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, sind die Lichter. In Fenstern, Gärten, vor Haustüren und auf der Veranda stehen oder hängen überall kleine Kerzen, Lichter oder Lichterketten. Die traditionellen Lichterbogen oder -pyramiden, die auf Fenstersimsen stehen und ihr Licht nach innen und aussen abgeben, werden «Adventsljusstake» genannt. Das gelbe Licht taucht die Dunkelheit in eine wohlig-warme Atmosphäre – wohl einer der Aspekte, die der Nacht ihren Charme verleihen. Die Lichter haben schon viele Jahrhunderte eine wichtige Aufgabe: Sie wiesen den Heimkehrern sicher den Weg durch die Winternacht. Zudem dienen sie als Willkommenssymbol für Nachbarn und Gäste. Wenn die Schweden eins beherrschen, dann ist es, in der Dunkelheit eine Atmosphäre voller Gemütlichkeit zu schaffen. Hier hat Mys seinen Ursprung – diese Gemütlichkeit ist weit mehr als nur eine Idee, sie ist fester Bestandteil des schwedischen Alltags.
Die Dala-Pferde
Bestimmt kennst du die unverwechselbaren roten Holzpferde mit den schönen, traditionellen Malereien. Hast du gewusst, dass sie Dala-Pferde heissen? In Nusnäs teilen sich die zwei bedeutendsten Fertigungsstätten der kultigen Holzfiguren die gleiche Strasse und liegen direkt vis-à-vis. Das ist kein Zufall: Die beiden Fabriken sind das Ergebnis eines Familienkonflikts. Mein Tipp: Unbedingt beide besuchen. Hier trifft Handwerk auf Innovation, Tradition auf Zukunft. Während du auf der einen Strassenseite durch geschichtsträchtige Hallen schreitest und den Holzstaub nur so von jeder Kante pusten könntest, schnitzt auf der gegenüberliegenden ein Roboter die klassischen Figuren. In den Souvenirshops gibt es auch hochwertige Andenken, und im Bistro kannst du dich während einer kurzen Pause stärken. Das Beste: Der Eintritt in beide Fabriken ist komplett kostenlos. Du kannst einfach reinspazieren.
Das Essen
Ich meine: Köttbullar mit selbstgemachtem Kartoffelstampf und Preiselbeeren. Wir sassen gemütlich eingemummelt in unserer stilvollen Ferienwohnung, genossen am grossen Holztisch dieses wohltuende Abendessen – was will man mehr? Ein anderes Mal gab es auch sehr leckeren Fisch. Man kocht einfach anders im Norden. Und Supermärkte in fremden Ländern plündern macht sowieso am meisten Spass. Unsere kulinarische Entdeckung dort: Reiswaffeln mit Geschmack und eine riiichtig leckere Sesamsosse. Wer bringt mir davon das nächste Mal etwas mit?
In Restaurants waren wir übrigens kaum. Der Hauptgrund dafür: Hunde sind in diesen Lokalen meist nicht gestattet. Auch wenn es nicht immer klar ausgewiesen ist, mussten wir uns auf Nachfrage fast immer mit einem «Nein» zufriedengeben. Umso überraschter waren wir, als wir einige Tage später in Stockholm das genaue Gegenteil erlebten: Dort lagen diverse Hunde ganz selbstverständlich unter den Tischen der Gäste.
Die Schwedenhäuschen
Diese roten Holzhäuschen, verteilt in der Landschaft, erstrahlen nunmal in ihrem einzigartigen Charme. Gepaart mit der Schicht zuckerigem Schnee auf dem Dach und den süssen Lichtern im Fenster … Ich hab mir immer wieder die Augen gerieben und konnte mein Glück kaum fassen:
Ich war tatsächlich mitten im Bilderbuchschweden gelandet!
Die Friditsbanken
Mora ist ein beschauliches Städtchen, das mit seinem charmanten Flair und seiner ruhigen Atmosphäre punktet. Es ist auch der Zielort des legendären Wasalaufs, einer der grössten Skilanglaufveranstaltungen der Welt. Diese Verbindung zum Wintersport ist hier Programm. Kein Wunder, dass der gefrorene See im Winter zum Eislaufen genutzt wird.
Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und so sind wir in einer «Friditsbanken» gelandet. Nur wenige Gehminuten vom See entfernt liegt die Einrichtung unscheinbar in einem Lagerhallen-Gebäude. Kaum eingetreten, umgeben einen Schlittschuhe, soweit das Auge reicht, Schlitten, Kanus, Zelte, Angeln, Skier und noch so viel mehr. Wir sind in einer Outdoor-Ludothek gelandet. Fasziniert liessen wir uns die Schuhe in unseren Grössen bringen, nach Wunsch wurden diese auch noch fix frisch geschliffen. Im Gespräch mit dem Manager bekamen wir einen Einblick in die Fritidsbanken. Uns überzeugte der soziale Gedanke: Die Einrichtung dient der Arbeitsintegration, lebt von Spenden und bietet die gesamte Ausrüstung für zwei Wochen absolut kostenfrei an.
Bevor wir gingen, durften wir noch eine Pinnnadel in die mit Markierungen gespickte Weltkarte setzen. Mit dieser kleinen Geste symbolisierten wir stolz unseren Besuch aus der Schweiz.
Die Abenteuerlust
Auf dem gefrorenen See eislaufen? Gar kein Problem. Die Schwed:innen unternehmen regelmässig weite Touren auf dem Eis. Wichtig dabei: Sie haben stets Eispickel und Steigeisen dabei, sollte das Eis einmal nicht dick genug sein. Und als oberste Faustregel gilt: Niemals alleine losziehen!
Wir hatten unseren Spass auf dem Siljan-See. Besonders die Möglichkeit, grössere Strecken auf dem Eis zurückzulegen, hat uns begeistert. Wir waren jedoch nicht die einzigen dort! Der weitläufige See bietet genug Platz für alle: Ob für Spaziergänger:innen mit Hund oder für Eisschnellläufer:innen. Auch Schlitten oder Kinderwagen sind auf dem Eis willkommen.
Das ist noch lange nicht alles: An vielen Orten gibt es gespurte Loipen, Winterwanderwege oder sogar kleinere Skigebiete. Die Herzen von Outdoor-Fans werden im schwedischen Winter definitiv höher schlagen.
Die Fika
Ihr wisst es bestimmt: Fika ist in der schwedischen Kultur und weit mehr als nur eine Kaffeepause. Es ist ein bewusster Akt der Entschleunigung und des gemütlichen Beisammenseins.
Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Dazu passend haben wir ein total süsses Café mit kleinem Lädeli in unserer Nachbarschaft gefunden. Wir waren mehrmals da, haben Kaffee getrunken, Waffeln gegessen und uns ein-zwei Souvenirs gekauft.
Überraschenderweise standen keine Kaffees mit geschäumter Milch auf der Speisekarte. Es wurde guter, alter Filterkaffee ausgeschenkt. Aber man konnte seine Tasse so oft nachfüllen, wie man wollte. Das Café hatte sogar eine Hauskatze und: Überraschung! – Als wir der Frau an der Theke erzählten, dass wir Schwierigkeiten haben, mit unserem Hund auszugehen, fragte sie uns, warum wir ihn beim nächsten Mal nicht mitbringen.
Die Ruhe
Im Januar war in Tällberg und Umgebung wirklich nicht viel los – und genau das war das Besondere. Zwar musste man vielleicht verkürzte Öffnungszeiten in Kauf nehmen, doch dafür hatte man das Märchenland beinahe für sich allein und kam öfters mit den Locals ins Gespräch. Meine abendlichen Spaziergänge mit Hund und dem Knirschen von Neuschnee unter den dicken Winterstiefeln werde ich noch lange in Erinnerung behalten.
Die Spaziergänge
Man nehme so ziemlich alles, was ich bis jetzt aufgezählt habe, und verpacke es in einen einzigen Spaziergang: Platt von den Abenteuern, gemütlich nach der Fika durch den frischen Schnee, vorbei an den bildhübschen Schwedenhäuschen. Es dunkelt ein, die Lichter leuchten bereits. Im Ferienhäuschen warten die ausgeliehenen Schlittschuhe neben den frisch erworbenen Dala-Pferden als Mitbringsel – und: das Abendbrot. Die Köttbullar stehen schon auf dem Herd. Begleitet wirst du von deinem Hund und der Ruhe, vielleicht von Freunden und guten Gesprächen. So sehen gelungene Winterferien aus.
Die Highlights für deinen Schwedischen Winter in Dalarna
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Erschienen am 20. Dezember 2025