September in Sardegna |

September in Sardegna |

Ein blauer Land Rover Defender mit Dachzelt parkt inmitten eines sardischen Weinguts.

© glitzergeschichten

Wir haben zwei Nächte auf Sandbänken am Ufer des Mittelmeers verbracht, sind Passstrassen mit bezauberndem Ausblick gefahren, haben Ausflüge in italienische Supermärkte unternommen und einen kleinen süssen Hund in unserer Ikeatasche schlafen lassen. – So erlebten wir drei Wochen Sardinien.

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  • Nach über 24 Stunden Anreise mit einem vollgepackten Land Rover und einer Nacht auf einer in die Jahre gekommenen Fähre parkten wir um 10:15 im sardischen Alghero. Genau zur gleichen Zeit wurde das Spiel des Schweizer Beach Soccer Nationalteams wenige Hundert Meter weiter angepfiffen. Wir haben es beinahe pünktlich geschafft.

    Das tat leider nicht allzu viel zur Sache, denn jemand anderes hatte es nicht ganz pünktlich geschafft: Die Stadionbauer. Während das Spiel gegen Belarus im Sand im vollen Gange war, wurde daneben laut gehämmert und Gerüstelemente zusammengesteckt. Der Zugang zum Stadion war gesperrt und so blieb uns nichts anderes übrig, als von ausserhalb zu versuchen, einige Blicke auf das Spielgeschehen zu erhaschen.

Das war bedauerlicherweise noch nicht der Tiefpunkt des Tages.

Während des anschliessenden Mittagessens stellte sich heraus, dass unser Ferienhaus doppelt gebucht war und wir somit vorübergehend keine Unterkunft hatten… Ein Nachmittag voller Hin und Her und viele Telefonate später sind wir dann in der Villa Barberina eingecheckt. Ein hübsches Agriturismo mit Pool und tollem Frühstücksbuffet, 20 Minuten von Alghero entfernt.

Auf gehts!

Nach einer Woche in diesem modernen Agriturismo fiel es uns gar nicht mal so leicht, uns auf die bevorstehenden zwei Wochen on the Road und das Leben im Land Rover einzustellen. Aber einmal unterwegs änderten sich die Dinge schnell und wir genossen die frische Luft, die Sonne auf unserer Haut und die vielseitige Natur um uns herum.

Die erste Nacht unter dem italienischen Sternenhimmel konnten wir nicht am von uns favorisierten Platz am Meer übernachten.

Aussicht von einem Berg auf die sardische Küste.

Die Zufahrt war zu steil, zu holprig und zu ausgewaschen. So schlugen wir unser Lager oben am Berg auf, mit Aussicht aufs Meer und den grandiosen Spot unten.

Das schönste Plätzchen

Direkt dafür entschädigt wurden wir am nächsten Tag. Nach einer Fahrt durchs Landesinnere und über den Monte Capanne, auf dem das alte Bergbaudorf Monte Vecchio und die dazugehörige, verlassene Mine liegt, haben wir einen so besonderen Stellplatz direkt an der Westküste gefunden. Auf einer ebenen Fläche unmittelbar neben dem rauschenden Meer gibt es in Arbus mehrere Möglichkeiten, sein Auto oder Van zu parken. Für Offroadfahrzeuge gar in den links und rechts davon liegenden Dünen. Spontan sind wir zwei Nächte an dem friedlichen Ort geblieben, sind ins Meer gesprungen, haben gelesen und abends was feines gekocht und im Licht des Vollmonds Spiele gespielt.

Wilde Pferde

Mit frisch aufgefülltem Wasser und verteilten Leckerlis an die zwei süssen Hunde, die uns dabei Gesellschaft leisteten, kauften wir Proviant in unserer favorisierten Supermarktkette Nonna Isa und machten uns dann auf den Weg gen Süden. Unsere Pause verbrachten wir auf der Hochebene Giara di Gesturi, wo wir im Parco della Giara einen ausgiebigen Spaziergang unternahmen. Das Besondere an diesem Ort: Mit etwas Glück können Wildpferde beobachtet werden. Die «Cavalli della Giara» gehören zu den ältesten Pferderassen Italiens. Sie sind eher klein, erreichen ein Stockmass zwischen 1,25 und 1,45 Metern. Wir hatten die Ehre und haben eine Gruppe dieser friedlichen Tiere beim Grasen beobachten können.

Dario beobachtet Pferde durch seinen Feldstecher.

Auf dem Rückweg haben wir dann ein Pferd ganz nah gehört, wie es sich bewegt und schnaubt. Doch trotz intensiver Suche konnten wir es partout nicht im dichten Wald neben uns erblicken.

Camping und Wein

Etwas im Landesinneren übernachteten wir später auf einem richtig chicen Weingut, wo man sich seinen Stellplatz auf dem ganzen Areal selbst aussuchen konnte. Wir standen neben den Reben und beobachteten fasziniert den rot-lila Himmel, während es allmählich dunkel wurde.

Das Überraschungsmenü mit dazugehöriger Weinbegleitung im Restaurant des Weinguts, der «Cantina Su'entu» liessen wir uns nicht entgehen und so haben wir wirklich fantastisch gegessen, bevor wir nach einem Spaziergang zurück zum Land Rover in unser Dachzelt hochstiegen, während auf dem Weingut nebenan die Party des Jahres stieg und uns laute Techno-Bässe in den Schlaf wogen.

100 Schafe

Der nächste Stellplatz im Süden der Insel überzeugte uns nicht so ganz. Als wir in der Dämmerung beim Abendessen sassen, tauchten plötzlich lauter weisse Punkte am Horizont auf und innerhalb weniger Augenblicke war die Wiese an deren Rand unser Auto parkte übersät von Schafen. Es müssen hunderte gewesen sein. Wir waren umzingelt und verunsichert. Auch wegen der Herdenschutzhunde und den Steaks auf unseren Tellern. Die Sorge war allerdings unbegründet, die Tiere schenkten uns keinerlei Beachtung und nach etwa 30 Minuten waren sie alle wieder aus unserem Blickfeld verschwunden.

Der blaue Land Rover steht am Camping Spot an der sardischen Westküste.
Ein Bergdorf mit alten Fabrikgebäuden und einer stillgelegten Bahn, umgeben von grünen Hügeln und Bäumen, unter einem blauen Himmel.
Lina streift durch die sardische Landschaft.
Yari liegt unter dem Land Rover im Schatten.

Offroad

In Sardinien gibt es tolle Offroadstrecken. Die im roten Fluss haben wir leider verpasst, uns aber erzählen lassen, dass sich ein Abstecher absolut lohnt. Anscheinend gibt es mehrere Wege, wobei die eine die Lebensdauer eines Fahrzeugs wohl massiver verkürzt als die andere.

Vom Rifugio ausserhalb von Baunei, wo wir eine Nacht auf diesem tollen Naturcamping verbracht haben, führt ein Offroad-Track über ca. 15 km, vorbei an Felswänden und lauschigen Picknick-Plätzen im Wald. Steigt man kurz aus, umhüllt einen der würzige Duft der unzähligen Kräutern, die rund herum wachsen. Nach ca. 30 Minuten Fahrt erreicht man den Parkplatz Planu ‘e Murta, von da aus führt ein ca. 40 minütiger Spaziergang zum Strand Cala Sisine. Diese bezaubernde Bucht ist nur zu Fuss oder per Boot erreichbar. Die vielen Bootstouristen sind denjenigen, die die aufwändige Anreise auf sich genommen haben, verständlicherweise ein Dorn im Auge. Ab ca. 16:30 ist die Masse an Touris allerdings verschwunden und wir plantschten beinahe allein im türkisblauen Wasser.

Auch am Morgen nach dem Abenteuer mit den 100 Schafen sind wir geoffroadet. Die Strecke war überraschend miserabel und einmal dachten wir, dass wir den Defender zurücklassen und zu Fuss weiter der felsigen Küste nach, zurück in die Zivilisation ziehen müssen. Der Pfad war schmal, schräg, steil und von Steinen und Wurzeln übersät, Felsen und Ästen verengt. Wie durch ein Wunder haben wir es dennoch geschafft und die gut sechs Kilometer in etwa einer Stunde gemeistert. Weiter in Richtung Zivilisation, haben wir als Belohnung für die ganzen Mühen tatsächlich Flamingos in einer Saline entdeckt, obwohl die Saison Ende September schon beinahe vorbei war. Für uns aussergewöhnlich:

Land Rover offroadet in Sardiniens Hinterland.

Die Vögel sind aufgrund der wenig pigmentierten Nahrung, die sie in Salinen finden, eher hellrosa, wenn nicht weiss.

Blinde Passagierin

Da wir für unsere letzte Nacht auf Sardinien leider etwas enttäuscht von unserem Stellplatz auf einem Hippiehof waren, erzähle ich euch hier von unserer zweitletzten. Wir haben uns kurz überlegt, einfach zwei Nächte zu bleiben und dann von da aus nach Olbia zum Fährhafen zu fahren, das hätte vielleicht eine Stunde gedauert. Beim nächsten Mal würden wir es so machen. Sogar, wenn wir für einen Ausflug zum Strand mit dem Camper das Dachzelt hätten ab- und wieder aufbauen müssen.

Den Naturcampingplatz auf dem Agriturismo Ertila in der Nähe der Ostküste auf 549 Metern Höhe haben wir auf Nomady gefunden (es gibt nur eine Handvoll Nomadyplätze auf Sardinien). Auf dem Weg dorthin haben wir erst die Aussicht über das Bergstädtchen Baunei genossen (das hätten wir uns gerne auch von Nahem angesehen) und sind dann über die wunderschöne Passstrasse «Strada Statale 129» nach Bitti gefahren. Auch diese Aussicht ist atemberaubend.

Die letzten paar Meter führen über unbefestigte Feldwege, dann gelangt man zum idyllischen Hof. Neben uns standen drei weitere Autos da. Platz hätte es für viele mehr gehabt. Wir hatten Mühe, unseren Wagen zu parken, wurden wir doch stürmisch von einer kleinen schwarz-weissen Hündin begrüsst, die sich vor Freude vor unser Auto warf und daran hochsprang. Den Weg ins Wageninnere hat die kleine Maus, die das sicher nicht zum ersten Mal genau so macht, schnell gefunden und sich, wie selbstverständlich, von den Vordersitzen, über die Rückbank nach hinten zum Kofferraum bewegt hat. Ihr Schlafplätzchen für die Nacht hat sie in unserer grünen Ikeatasche gefunden, in der unsere Jacken verstaut waren. Sie hat sich darin eingebuddelt und die ganze Nacht darin verbracht, während wir das vorbeiziehende Gewitter im Dachzelt über uns ergehen liessen.

Auch hier haben wir uns bekochen lassen. Für 45 Euro pro Person kamen wir in den Genuss von drei typisch sardischen Gängen, einem Liter Wein und Kaffee. Das Essen auf solchen Agriturismo ist jedesmal ein Highlight.

Geflecktes Schweinchen vor grünen Büschen.
Lina und Yari am Strand.
Strand und Fels an der sardischen Ostküste.

Pfoten im Sand

Strandbesuche mit Hund sind herausfordernd, weil Hunde an öffentlichen Stränden oft verboten sind, was ich tatsächlich sehr schade finde. Unsere Erfahrung zeigt: Mit etwas Recherche (Google Kommentare lesen) und einem guten Auge finden sich auf Sardinien dennoch tolle Möglichkeiten, um mit Hund im Gepäck Baden zu gehen. Ausser uns waren jeweils höchstens 1-2 andere mit ihren Fellnasen da, es war also alles schön entspannt. Diese Strände, haben wir mit Yari besucht (gebadet hat er nicht, das ist ihm zu suspekt):

  • – ca. 25 Minuten nördlich von Porto Torres gibt es neben den anderen öffentlichen Stränden einen bequemen Kiesstrand, an dem Hunde explizit erlaubt sind.

    – ca. 15 Minuten südlich von Alghero haben wir beim südlichen Parkplatz des öffentlichen Strandes geparkt und uns dann eine der Buchten wiederum südlich des öffentlichen Strandes ausgesucht. Wir waren an einem Samstag und doch alleine da. Achtung: Ebbe & Flut beachten. Der Strand wird merklich schmaler.

    – bei unserem Lieblings-Stellplatz am Meer kann man direkt ins Meer hüpfen, genügend Platz zum Toben ist ebenfalls vorhanden

    – bei der Durchfahrt entdeckt und uns anschliessend verliebt haben wir uns in Cala Sa Figu

    – nach 30 Minuten Offroaden und ca. 40 minütigem Spaziergang dürfen am Cala Sisine auch Hunde ins Wasser hüpfen. Laut Google Kommentaren ist dies an einigen anderen Stränden, die nur zu Fuss oder per Boot erreichbar sind, nicht erlaubt.

    – im Osten der Insel gibt es am Spiaggia di Osalla gar einen extra Bereich für Hunde

    – etwas weiter nördlich haben wir einen Nachmittag am Spiaggia di Posada verbracht

Ciao, Bella Isola

Wir hatten eine wunderschöne Zeit auf Sardinien und sind mit eindrücklichen Erinnerungen und ganz schön viel Abenteuern im Gepäck nach Hause zurückgekehrt. Gespannt darauf, wohin unsere nächste Reise führt, schwelgen wir so lange in unseren Sardegna-Memories.

Erschienen am 18. Oktober 2024