Hola El Hierro |
Hola El Hierro |
© glitzergeschichten
Auf der Suche nach Natur, Frieden, Meer und Sonnenschein sind wir unerwartet auf einen kleinen Geheimtipp im Atlantischen Ozean gestossen. Die kleinste Insel der Kanaren verspricht Unberührtheit im Wind, wartet mit verträumten Badebuchten und inspirierender Stille. Genauso haben wir uns das vorgestellt.
Ganz ehrlich, Leute: Wer wirklich nach einem unentdeckten Juwel in der Sonne sucht, bucht sich eine Reise nach El Hierro.
Im Sog des Ozeans
Wir haben eine Woche auf der Insel, die niemand zu kennen scheint, verbracht und uns nachhaltig verliebt. Im Mai ist das Meer vielleicht noch etwas frisch, aber durchaus bebadbar. Weite Sandstrände sucht man in El Hierro umsonst. Schwarzes Gestein prägt die Küste der Vulkaninsel. Hohe Wellen brechen daran. Stattdessen locken kleine Badebuchten und bezaubernde Naturpools, die sich rund um die Küste verteilen.
Oft sind wir alleine da. Wir können unser Glück kaum fassen. Lassen die Sonnenstrahlen auf uns tanzen und sammeln allen Mut, um über die Felsen ins kühle Meer zu klettern.
Also: Badeschuhe einpacken nicht vergessen.
Stiller Rhythmus
Wir haben eine Woche lang nicht wirklich viel gemacht. Jeden Tag ausgeschlafen, draussen gefrühstückt und dann sind wir mit unserem Mietauto über die Insel gedüst. Haben den Leuchtturm, sehenswerte Naturschauspiele wie diverse Bäume, Felsen oder einfach die Aussicht begutachtet und uns dann jeden Tag eine neue Badebucht ausgesucht. Eine davon lag gefühlt 1000 Treppenstufen unterhalb des Parkplatz neben einem verlassenen Fischerdörfchen. Auf dem Fussweg dorthin haben wir sogar eine Unterkunft, die wir in Betracht gezogen haben, entdeckt. Wir waren aber sehr froh, dass wir uns für das charmante «Stay with a View» entschieden haben. Zur allerersten Badebucht sind wir noch einmal zurück gekehrt, einfach weil sie SO toll war.
Es gibt nicht besonders viele Strassen auf El Hierro und einige sind besser befahrbar als andere. Eine sorgfältige Routenplanung empfehle ich euch daher von Herzen. – Die Zufahrt zu unserer Unterkunft war … abenteuerlich: unbefestigt und sehr steil. Dafür war die Unterkunft ein grossartiger Fund. Ein Liebevoll gestalteter Rückzugsort mitten im ursprünglichen Ambiente. Die Treppe zum Schlafzimmer hoch führt aussen am bungalowähnlichen Haus entlang, und manchmal schaut dir eine flinke Eidechse neugierig beim Zähneputzen zu.
Das einstige Ende der Welt
Massentourismus sucht man auf der Insel, die ursprünglich den Nullmeridian beherbergte, vergeblich. Die Anreise ist dafür nicht ganz unkompliziert, lohnt sich aber auf jeden Fall: Wir sind mit Flugzeug und Fähre über Teneriffa gereist. Auf der Rückreise lag sogar noch ein Abendessen in Teneriffa drin. – Wir hatten den Kulturschock unseres Lebens und sehnten uns schon wenige Stunden nach der Abreise auf unsere wilde, einsame Insel zurück.
Um die 10'000 Einwohner:innen leben auf El Hierro. Die überraschend geringe Verbreitung der englischen Sprache hat uns gezeigt: Hier wird dieses ursprüngliche Kanaren-Gefühl schlicht noch gelebt. Lustigerweise spricht man auf der Insel eher mal Deutsch. Wie etwa der Ranger im Naturpark oder auch das Wirtepaar im besten Restaurant, was wir besucht haben. Erfreut haben wir festgestellt, dass der Inhaber und Koch aus der gleichen Kleinstadt in der Schweiz kommt wie wir. Das hat auch das Fondue neben dem Thunfischtatar auf der Speisekarte erklärt. Leider hat das Restaurant wohl mittlerweile seine Türen geschlossen (2025).
Ebenfalls richtig gut auswärts gegessen haben wir im Restaurant El Rincón im Städtli La Restinga.
Sonst haben wir viel selbst gekocht, was wir ohnehin gern tun. Das war auch gut so, denn die Anzahl an Restaurants und das Angebot im Supermarkt sind auf El Hierro gleichermassen überschaubar. Die Lieferketten sind halt etwas länger als sonst, am einstigen Ende der Welt, bevor der grosse Ozean beginnt.
Sukkulenten-Sehnsucht
El Hierro hat zwei Seiten. Die eine ist geprägt vom dunklen Vulkangestein. Die andere grün und mit Kakteen und Sukkulenten übersäht. Mein Plant-Mom-Herz hätte am liebsten einige davon nachhause mitgebracht. Der Zoll hätte mir da wohl aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Wir haben unser Mietauto etwa drei Monate vor unserer Reise gebucht und 150 Euro für eine ganze Woche bezahlt. Mit dem kleinen Opel Corsa mit Frontantrieb haben wir auch einige Offroad-Strecken gerockt, wobei vielleicht erwähnt werden muss, dass wir Offroad-Erfahrung haben. Ich denke da gerade an die Strecke im Süden Sardiniens, wo ich uns schon auf dem 20-Minuten-Titelblatt gesehen habe und wir wie durch ein Wunder heil aus der Sache rausgekommen sind.
Aufgrund der Flugreise sind wir ohne unseren Hund gereist. An einigen Badebuchten sind mir Hunde-Verbotsschilder aufgefallen. Ich weiss nicht, wie streng dies kontrolliert wird. Ab und an habe ich trotzdem Leute mit Hunden gesehen. Es könnte auch daran gelegen haben, dass wir eher Off-Season gereist sind.
Die meisten Badebuchten haben sanitäre Anlagen, einige auch einfache WoMo-Stellplätze in unmittelbarer Nähe. Campingplatz gibt es auf El Hierro nur einen. Dieser scheint aber gut ausgestattet und preislich sehr fair zu sein.
Wir freuen uns wirklich schon seit unserer Abreise auf Wiederkommen. – Falls ihr der kleinsten Insel der Kanaren in der Zwischenzeit einen Besuch abstattet: Lasst Grüsse da.
Unsere Lieblingsspots auf El Hierro auf Google Maps.
Erschienen am 1. Juni 2024